Auf der Spur meiner Ahnen
(ZDF, 25.07.07)
 

Walter: Die Familie ist für mich, emotional und von meinem gesamten Gefühl her die Heimat, die ich habe, weil ich keine Heimat besitze. Wir sind immer so viel umgezogen und ich hab in so vielen Städten gelebt und Häusern und Wohnungen und auch in verschiedenen Ländern, so dass ich sozusagen meine Heimat immer mitgenommen habe: die Familie. Das heißt nicht, dass der Beruf unwichtig ist, überhaupt nicht, aber wenn ich wählen müsste zwischen Beruf oder Familie, würde ich Familie wählen.

Eingespielt werden u.a. Ausschnitte aus "Der Wüstenrose", "girlfriends"

Off: Walter Sittler und Tochter Jenny, die Älteste von drei Kindern. Die Familie lebt zusammen in Stuttgart. Kommissar oder romantischer Liebhaber, Walter Sittler ist ein gefragter Mann. Die ZDF-Serie "girl friends" machte ihn über Nacht zum Fernsehstar.

Walter Sittler

Lea und Sigrid Sittler

Walter: Alles, was man nicht genau weiß, kann einen beschäftigen, umtreiben und man kann es nicht lösen, weil man es nicht weiß. Wissen macht freier und ich möchte gern, dass die Kinder etwas über die Familie wissen. Über meine Großeltern weiß ich zum Beispiel so gut wie nichts, also ich kenn die gar nicht. Und ich wüsste einfach gern ein bisschen mehr... das ist ein bisschen...

Sigrid: Das ist zu wenig, Walter. Wenn ich bedenke: meine Großeltern von beiden Seiten, die ich ja lang und gut gekannt hab... das ist ja ein Reichtum und ein wichtiger Teil meines Lebens.

Lea: Ja und das hat dich ja auch geprägt... (sie müssen alle lachen)


Sigrid: Hat mich geprägt, genau, die Großmütter ganz besonders. Das finde ich so spannend daran, was habt ihr Kinder von diesen Großeltern von Walter, die nicht mal er richtig gekannt hat.

Walter: Das ist das einzige von meinem Vater, was übrig ist. Das kriegst du dann, Daddys Uhr.

Benedikt: Ich weiß...

Walter: Ich weiß nur nicht genau wann.

Sigrid: Weiß man das, wie alt die Uhr überhaupt schon ist?

Walter und Benedikt Sittler

Walter: Die muss er bekommen haben, als er in Deutschland war. Er ist 1937 nach Deutschland gekommen.

Sigrid: Das ist schon auch eine komische Zeit, 1937 freiwillig nach Deutschland zu kommen.


Walter Sittler

Off: Walter Sittlers Vater, ein Amerikaner, kam mit 21 Jahren in der Nazi-Zeit nach Deutschland.

Walter: Diese Uhr hier hat er sein Leben lang getragen und ich werde sie einschicken und dann rauskriegen, was passiert.

Off: Die Uhr wird in der Firmenwerkstatt unter die Lupe genommen. Spezialisten sollen herausfinden, an wen solche Uhren geliefert wurden. Hat Walters Vater sie wirklich in Deutschland bekommen? War's etwa ein Geschenk der Nazis? Nach dem Krieg konnte der Literaturprofessor in den USA nicht wieder Fuß fassen. Walter ist der Jüngste von acht Kindern, geboren in Chicago, aufgewachsen in Deutschland.


Walter: Das hier ist das Fotoalbum, das meine Mutter mir zur Hochzeit geschenkt hat und das beinhaltet Bilder von der Zeit meiner Geburt bis einschließlich der Hochzeit. Das haben alle meine Geschwister bekommen, man bekommt es aber nur einmal, also die, die mehrfach geheiratet haben, kriegen nur eins.
Als mein Vater noch lebte und ich auch noch zu Hause war, auch in den Ferien vom Internat, wollte ich ihm dann schon gefallen. Also mein Bruder war literarisch viel weiter als ich, Sonntagmorgens hat er mit den Eltern manchmal im Bett Schiller besprochen. Ich konnte das gar nicht, ich hab Fußball gespielt. Mich mit meinen Freunden getroffen und Fußball gespielt und ich hatte keine wirkliche... Ich wollte schon gefallen, aber es ist mir in meiner eigenen Erinnerung nicht recht gelungen. Ich weiß auch nicht, ob er das wollte. Ich glaube, das hat ihn überhaupt nicht interessiert. Also er ist ja schon sehr früh gestorben. Er ist gestorben, da war ich 22. Ich weiß eigentlich nicht viel von ihm, wenn ich ehrlich bin. Über Vergangenheit meines Vaters wurde nicht gesprochen.

Walter Sittler

Diese ganze Zeit, diese ganzen Jahre, nix und das ist falsch. Das möchte ich nicht so machen, auf keinen Fall und ich möchte gern viel rauskriegen, so viel wie ich kann. Es gibt nicht mehr so wahnsinnig viel, weil viele schon tot sind. Meine Mutter ist letztlich die einzige, die etwas weiß.

Off:
Walters Mutter Margret war Englischlehrerin, zuletzt stellvertretende Schulleiterin in der Internatsschule Schloss Salem.

Walter: Ich weiß nur, dass Daddy zum Studieren nach Deutschland gekommen ist.

M. Sittler: Ja.

Walter: Was war der wirkliche Grund und wie seid ihr euch überhaupt begegnet dann?

M. Sittler: Ich war grad ein Jahr in England gewesen und kam zurück nach Deutschland und wollte mir in Berlin einen Job suchen.

Walter: Als Übersetzerin oder Sekretärin?


M. Sittler

M. Sittler: Sekretärin, ja. Ich hab dann über das auswärtige Amt einen Job gekriegt und da hab ich Edward kennen gelernt, denn bevor ich diese Anstellung wirklich kriegte, wurde er hereingerufen, als junger Mann, er sollte bitte mein Englisch prüfen. Und dann dachte ich: "oh Gott, ich werde ihn einfach mal einladen, den Edward." Das haben wir dann gemacht. Und dann war das aber so komisch, wir gingen in den UHU, eine Bar in Berlin und das lag ihm überhaupt nicht. Irgendwo war er ein Puritaner.

Walter: Aber warum war er tatsächlich nach Deutschland gekommen?

M. Sittler: In Deutschland imponierte ihm so vieles. Diese Straffheit, diese ganzen Sprüche, die wir damals hatten "Gemeinnutz vor Eigennutz" und all dieser Kram.

Walter: Er war Übersetzer beim Rundfunk?

M. Sittler: Ja, er hatte sich als Student darum beworben. Er brauchte Geld.

Walter:
Er brauchte Geld und wurde Übersetzer und wo war das? War er in Berlin?

M. Sittler:
In Berlin, beim Reichsrundfunk.

Walter:
Und wann hat er angefangen Kommentare zu sprechen? Er war ja am Anfang nur Übersetzer, er hat nicht gesprochen

M. Sittler: Ja, er wurde gebeten Douglas Chandler zu ersetzen. Er bot sich an sozusagen und hat es selbst dann gemacht.

Walter: Also er ist nicht aus Überzeugung zum Rundfunk, sondern weil er einfach das Geld brauchte?

M. Sittler: Nein, das würde ich nicht sagen. Er brauchte Geld, aber das war auch interessant für ihn.

Off: Edward Sittler spricht zunächst Nachrichten aus Deutschland für die USA. Die stählerne Stimme des Reiches nennen die Nazis ihren Auslandsrundfunk mit den Sendeanlagen in Zeesen bei Berlin. Überzeugt von der Idee des Nationalsozialismus wendet sich Edward Sittler ab 1943 mit selbstverfassten Kommentaren an die Amerikaner. Im Bundesarchiv Berlin hat Walter Originaldokumente angefordert, die zeigen, wie der Vater die Sprache der Nazis benutzte.


Walter (liest): "Jede deutsche Propaganda für das Ausland muss eine nationalsozialistische Kriegspropaganda im repräsentativsten Sinne sein. Sie muss nicht nur die militärischen sondern alle nationalen Ereignisse und Kräfte im Lichte der Weltanschauung übersetzen und darstellen. Die eben weil sie die völkischen Kräfte befreite und aufs Höchste steigerte, notwendigerweise durch Krieg bekämpft wird von einer angelsächsischen Staatenkonstellation, deren eigene organische Schwäche sie eine Gesundung und Selbstbehauptung des Reiches als Gefahr und Herausforderung finden lässt."

Walter sitzt mit seinen Brüdern Karl und Loring zusammen

Walter Sittler

Walter: Also einmal haben wir da die Gau-Kartei mit seinem Eintritt in die NSDAP. Seinen Mitgliedsausweis, den hat er selber gehabt, den gibt's ja nicht mehr.

Karl Sittler: Wann ist das passiert?

Walter: 15. Februar 1942 ist er eingetreten.

Loring Sittler: Also kurz vor der Wende des Weltkrieges.

Walter: Und dann gibt es hier eine Denkschrift, die er im Dezember 1942 geschrieben hat über den Rundfunk. Da hat er für die schon gearbeitet und das müsst ihr, glaub ich, komplett lesen.

Off: Bruder Karl lebt in der Schweiz. Walter trifft ihn bei Loring Sittler in Berlin. Ihr Vater Edward war ein belesener und gebildeter Mann. Diesen Teil seiner Gedankenwelt haben sie nur geahnt.


Walter Sittler

L. Sittler: Er war ein überzeugter Nazi, 100 %, ein richtiger Brandstifter.

K. Sittler: Und wenn ich dran denke, entspricht das eigentlich auch seinem Charakter.

L. Sittler: So ist es, ja.

K. Sittler: Immer war alles, was er tat 100%, nicht halbwegs, deswegen war er auch so "beliebt" bei seinen Kollegen.


Walter: Wir haben ja nie darüber gesprochen. Ich kann mich nicht erinnern, dass je in einer entspannten Atmosphäre gesprochen worden wäre über die Zeit. Das ist für mich die erste authentische Aussage über seine Haltung damals.

K. Sittler:
Das habe ich aber auch vorher verstanden, dass er die deutsche Staatsangehörigkeit angenommen hat, weil er überzeugt war, dass die amerikanische Richtung falsch war.

Walter: Wie ist es möglich, dass jemand, der so viel in der Literatur, in der Theologie zu Hause ist, das nicht überträgt? Das ist mir rätselhaft... Weil er so tut, als ob das mit uns nichts zu tun hat, die Literatur...

K. Sittler: Er hat das getrennt.

Walter: Aber es ist nicht getrennt. Wie ist das möglich?

K. Sittler: Er hat's als getrennte Welt behandelt.

Walter: Und so war es zu Hause nämlich auch. Wir haben über Literatur geredet, stundenlang, es wurden Sermons vorgelesen, Predigten von Joe und so weiter, aber wenn's mal an das tatsächliche Leben ging, war wenig. Und das hat auch damit zu tun.

L. Sittler: Er hat seine Unsicherheit überkompensiert durch übertriebene Sicherheit, das ist es. Anders lässt sich das nicht erklären. Also er hat eine Sicherheit erstrebt, die er sonst auch intellektuell nicht finden konnte und da konnte man nichts finden.

Walter: Weil's die auch nicht gibt. Die gibt's nicht, aber damit muss er erst mal leben können.

K. Sittler: Er hat riesige Schatten in denen wir lebten.


Off: Die Auseinandersetzung mit dem Vater war kein leichtes Kapitel. Früher war er ihr Idol, unerreichbar sein Wissen, sein Charme. Vater Edward mit seinen fünf Söhnen. Keines deracht Kinder hat sich je getraut, das übermächtige Familienoberhaupt nach der Vergangenheit zu fragen. Der Vater hat sich einer Idee untergeordnet, gab es das schon in früheren Generationen?
Die Sittlers sind Nachfahren deutscher Auswanderer nach Amerika. Jean Sittler, der Urururgroßvater verlässt mit drei Kindern das Elsass. 1853 wird in Amerika der Urgroßvater geboren. Er heiratet später eine Frau, die aus Deutschland stammt. So macht es auch Walters Großvater Joseph. Dessen jüngster Sohn Edward, Walter Sittlers Vater geht wieder nach Deutschland.

DIe Männer der Familie Sittler

 


Walter Sittler

Walter: (am Telefon): Do you know who was the first Sittler to arrive in the States? - Yeah, middle of the 19th century, yeah. - John F Sittler, born 1785, oh in… in the States - yeah, 1873, ok, thanks a lot Barbara, yeah, bye.
Meine Cousine Barbara, die in Chicago lebt, hat mir jetzt gesagt, dass der erste Sittler, der in Amerika angekommen ist, ein gewisser John F. Sittler war, der einen Sohn hatte, ebenfalls John F., die hießen aber vor der Auswanderung Jean und der Ort, aus dem sie ausgewandert sind, ist Mussigheim.

Off: In Straßburg trifft sich Walter mit Rene Issla, der in der Region schon lange Ahnenforschung betreibt. In alten Kirchenbüchern macht Rene Issla eine Entdeckung. Walters Vorfahren sind erst im 18. Jahrhundert ins Elsass gekommen.

Walter: Gibt es einen Sittler Jean?

R. Issla: Ja, da, dieser ist geboren in Neukirch.

Walter: Neukirch? Wo?

R. Issla: Das ist in der Schweiz.

Walter: Wir, wir kommen aus der Schweiz?

R. Issla: Ja.


Walter: Das ist nicht wahr (lacht). Und warum sind die nach Mussig gegangen, warum sind die nicht in der Schweiz geblieben?

R. Issla: Vielleicht wegen Hunger.

Walter: War die Schweiz kein guter Standort damals?

R. Issla: Nein, nein.

Walter: Und wann sind sie denn vom Elsass nach Amerika gegangen? Gibt's da nichts?

R. Issla: Die Auswanderung findet man nicht.

Walter Sittler

Walter: Warum denn nicht?

R. Issla:
Es gibt keine Unterlagen...

Walter: Und wo könnte ich die finden?

R. Issla: Nirgendwo.

Walter: Nirgendwo? Aber das ist ja blöd. Bisher dachte ich immer, dass unsere Familie aus Colmar kommt und jetzt haben wir heute herausgefunden, dass ein wesentlicher Teil aus Mussig kommt und der, der ausgewandert ist, der Jean Sittler ist auch in Mussig geboren. Und er muss als erster gegangen sein und dann seinen Vater nachgeholt haben und seine Frau, soweit man das aus diesen Akten beurteilen kann.


Walter Sittler

Off: Im Rathaus von Mussig erfährt Walter, dass im Ort ein Jean Claude Sittler lebt.

Walter: Das ist wirklich spannend, ob da jemand da ist. (telefoniert) "Hallo! Darf ich deutsch sprechen? Sprechen Sie deutsch? - Ich bin Walter Sittler aus Deutschland. Ich bin auf der Suche nach meinen Vorfahren und ich weiß, dass meine Vorfahren aus Mussig kommen. Und ein Jean Sittler ist Mitte des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert. Wissen Sie irgendetwas darüber oder gehören wir irgendwie verwandtschaftlich zusammen? - Das ist nicht wahr! Meinen Sie, ich dürfte sie anrufen oder bei ihr vorbei gehen - wunderbar, das ist wunderbar. Also wir sind hier im Büro und warten einfach. - sehr schön, vielen Dank, bis gleich! - ja, tschüß."
Er hat eine Schwester und die wohnt hier und die ist an Ahnenforschung interessiert und die hat verschiedene Stammbäume der Familie Sittler.


Walter: Guten Tag, sind Sie Jean Claude Sittler?

Jean Claude Sittler: Ich bin Jean Claude Sittler.

Walter: Ich bin Walter Sittler, grüß Gott. Freut mich sehr, einen Namensvetter zu treffen.

JC Sittler: Ich habe einen Stammbaum mitgebracht. Meine Schwester ist zu Hause, sie kommt gleich.

Off: Mariette Marière ist eine geborene Sittler. Sie hat die Ahnentafel der Familie aufgestellt.

Walter: Das ist der Jean, das ist, da sind wir.

M. Marière: Da sind Sie, ja. Sittler Jean, 1812 geboren, 1841 geheiratet mit der Engel Annemarie.

Walter: Und dann haben die - da!

M. Marière: Ja. Sittler Jean.

Walter: Und das ist der, der nach Amerika ausgewandert ist, das ist der Vater.

M. Marière: Ja.

Walter: Und die dritten, die nach Amerika sind, wer waren die?

JC Sittler: Die Fritsch, die Familie Fritsch.


M. Marière: Ja, das war wieder eine Schwester, das war also eine Familiengeschichte, aber was aus diesen Familien dann geworden ist...

JC Sittler: Die drei sind angekommen, ich habe den Beweis, sie haben dort in Hooppole eine Kirche gebaut, Sankt Maria

Walter: Mein Großvater war Pfarrer.

M. Marière:
Oh làlà. Durch meine Mutter bin ich hier. (sie zeigt es auf dem Stammbaum)

Walter: Da sind wir, da sind wir alle beim Sittler, das ist nicht wahr! Also Sie sind wahrscheinlich meine Cousine 35. Grades oder so. (sie lachen)

Walter Sittler

Walter Sittler

Off: Remy Loussé vom Geschichtszirkel in Mussig sieht mit Walter auf dem Dachboden nach, ob es dort noch Dokumente von den Sittlers gibt. Um 1850 gab es eine große Hungersnot. Viele Familien sind damals ausgewandert. Ihre Pässe sind der Schatz des kleinen Archivs.

R. Loussé: (zeigt auf ein Dokument) Sittler

Walter: Das ist der Jean?

R. Loussé: Ja, das ist der Jean.

Walter: Der ist alleine gegangen?

R. Loussé: Der ist allein gegangen, ja.

Walter: Und er hat eine Kopie von diesem Ding dann immer dabei.

R. Loussé: Es ist ein kleineres Stück, das abgeschnitten wurde und wir haben hier den Beweis, es kann nur eins dazupassen.

Walter: 100 Jahre nachdem die Vorfahren nach Mussig gekommen waren, sind sie wieder weggefahren. Das ist jetzt wahrscheinlich der Ausweis von meinem Urururgroßvater, von Jean, das ist ausgestellt am 12. Oktober 1849. Da ist er "journalier", Tagelöhner.

Off: Wie erging es den ersten Sittlers in den USA? Wurde Amerika ihr gelobtes Land? In Chicago trifft Walter seine Cousine Barbara.
Barbara Sittler ist die Tochter von Walters Onkel Joseph, einem Bruder des Vaters, der bis heute zu den bedeutendsten Theologen zählt. Walter möchte ihren Blick auf die Familiengeschichte kennen lernen.


Barbara: Sieh mal das hier! Es ist nicht komplett, aber verdammt gut. Das ist ein Buch, das mein Vater Joseph, bestellt hat bei der Schwiegermutter von meiner Schwester Baye, denn sie ist Geneologin. Und hier: Jean Sittler, Witwer, er ist in die USA eingewandert zusammen mit seiner Tochter Katharina und Moritz Fritsch. Sie kamen aus Nordfrankreich, Elsass.

Walter: Moritz Fritsch.

Barbara: Sie sind in die Vereinigten Staaten immigriert und wahrscheinlich kamen sie nach West Illinois, gar nicht weit von hier. Und sie haben dann ein Stückchen Land gekauft in irgend so einem Kaff mit anderen Deutschen.

Barbara & Walter Sittler

Walter: Wo war das?

Barbara: Das war in Hooppole, Illinois

Walter: Hooppole.


Friedhof, Hoopole

Off: Walter und seine Cousine Barbara auf Spurensuche nach den ersten Sittlers in Amerika. Was erwartete die Einwanderer in diesem einsamen Landstrich von Illinois. Gibt es auf dem Friedhof von St. Mary's in Hooppole noch Gräber ihrer Vorfahren?

Barbara (lacht): Ist das nicht toll?

Walter: Das ist, er ist...

Barbara: Er war das.

Walter: In den französischen Papieren heißt er Jean, Jean F Sittler, geboren 1785.

Barbara: Und ich glaube, das ist der Vater von Katharina, die Moritz Fritsch geheiratet hat. Also alles Fritsch und Sittler.

Walter: Ja, und sein Sohn Jean ist der, der 1849 in die USA kam, verheiratet mit Annemarie Engel.

Barbara: Ja, ganz genau!

Walter: Das ist er! Er wurde geboren 1812.

Barbara: Das kommt hin, denk ich.

Walter: Er war 27 und kam in die Staaten ungefähr - wir wissen's nicht genau - in den 50ern. Mein Vater hätte diesen Platz geliebt, wir sollten ihn herbringen, vielleicht...

Walter & Barbara Sittler

T. Church & Walter Sittler

Thomas Church: Hallo ich bin Thomas Church.

Walter: Walter Sittler, hallo.

Barbara: Und ich bin Barbara Sittler, guten Tag.

Walter: Meine Cousine. Und Sie, ein Sittler-Nachfahre?

T. Church: Ja, mein Urururgroßvater war John F Sittler.

Walter: Meiner auch.


Barbara: Warte, dein Urururgroßvater ist John Sittler? Dann sind wir alle...

Walter: Und Katharina ist die Schwester von Jean und sie ist geboren in Mussig, im Elsass. Wann sind sie gekommen?

T. Church: Ich hab ein Buch in der Kirche, da steht das drin.


Off: Hier leben noch Indianer als der Urururgroßvater mit geliehenem Geld Boden kauft. Sumpfland, das die Sittlers trocken legen. Die Familie aus Mussig bleibt vorerst zusammen. Ohne gegenseitige Hilfe geht es nicht. Der Glaube wird ihre Stütze. Bis sich die Familien das Geld für ihre Kirche erarbeitet haben, findet der Gottesdienst reihum in den Wohnstuben statt. Mit 55 Dollar gibt der alte John Sittler die höchste Summe für die Kirche St. Maries. Auch seine Tochter Katharina engagiert sich in der Gemeinde, ist sogar befreundet mit Indianern. Viele Nachfahren von John verließen Illinois, andere sind bis heute hier zu Hause.

Alle (der Reihe nach): Shelley Church, Thomas Church, Walter Sittler, Barbara Sittler, Shirley Heinzler, Barbara Stout, Bob Stout.

Sittler Nachkommen

Off: Die ehemalige Farm der Sittlers, nur ein paar Meilen von Hooppole entfernt. Kaum zu glauben, aber Farmer Werman Blacker hat noch die alten Kaufverträge.

W.Blacker: John kaufte das erste Stück Land hier 1863, dann das Stück 1867, 68, 78 und 79.

Walter: Und wie lange haben die Sittlers hier gelebt?


Sittler Farm

W.Blacker: Die lebten hier...

Barbara: 1863 bis 1951.

W.Blacker: Genau 63 bis 51.

Barbara: 88 Jahre.

W.Blacker: Das sind 3 Generationen.

Off: Hier war Prärie, als Walters Vorfahren ihr Haus errichteten. Innerhalb weniger Jahre schaffen sie sich einen bescheidenen Wohlstand.


Walter: Ich wusste nicht, dass sie doch ein relativ gutes Leben hatten, im Verhältnis zu dem, was sie im Elsass hatten. Und dass sich das durchgezogen hat bis heute eigentlich.

Off: Obwohl Urgroßvater Joseph Andrew in Amerika geboren ist, lernen seine Kinder auch die deutsche Sprache. Sein Sohn Joseph wird Pfarrer. Mit seiner Frau Minnie hat Joseph acht Kinder. Edward ist ein Nachzügler, der Liebling der Mutter, zu dem Pfarrer Joseph kaum eine Beziehung hat.

Walter: Mein Vater ging in den 30ern nach Deutschland, Charles, sein Bruder, ging in den 30ern nach Deutschland. Was war das? Wie sind sie aufgewachsen?


Barbara: Also, ich kann dazu nur sagen, dass Joseph, unser Großvater immer bedeutender wurde, auch seine soziale Stellung und auch Minnie Vieht, die aus einer gebildeten Familie stammte. Das war eine Familie, die Ansehen in der Gemeinde hatte und die waren auch sehr bemüht, dass ihre Kinder - unsere Eltern - intelligent und gut ausgebildet waren.

Walter: Sie sind alle aufs College geschickt worden.

Barbara: Ja, und für die gehörte es dazu, auch mal nach Deutschland zu gehen.

Walter: Warum?
Walter Sittler

Barbara: Weil das ein wichtiger Teil ihrer Bildung war. Deutschland war die Wiege der Zivilisation. Also in den Vereinigten Staaten, glaube ich, wollte niemand verstehen, was da in Deutschland passierte. Nicht 1933, 1937 und sogar noch 1939, als Hitler in Polen einfiel. "Wir wissen nichts darüber, wir sind neutral..." Tja und er ist ja sogar noch vor dieser Zeit gegangen. Und dann die Geschichte, die mir erzählt wurde. Erst ist Edward weg und dann Charles. Und dann saßen sie in Deutschland in der Falle und konnten nicht mehr raus. Zu blöd. Das war die erste Geschichte.

Walter: Die erste Geschichte und dann?

Barbara: Und dann als wir älter waren, hieß es "Ah, Edward..."

Walter: Er arbeitete für den deutschen Rundfunk.

Barbara: "Was macht er nur?"

Off: Barbaras Vater hat diese Artikel über Edward gesammelt. Die Nazi-Vergangenheit seines jüngsten Bruders blieb ihm unerklärlich. Immer wieder wird Edward Sittler in den USA arbeitslos. Um die Familie über Wasser zu halten, macht Walters Mutter mit ihren acht Kindern Reklame für Haferbrei.


Sittler - Zeitungsausschnitt

Sittler - Zeitungsausschnitt

Sittler - Zeitungsausschnitt

Off: Die Wiedereinbürgerung in die Vereinigten Staaten wird Edward Sittler für immer verwehrt. Auch an der Universität Everston bei Chicago hat der Vater nur ein paar Monate lang unterrichtet.

Barbara:
Es gab große Proteste, als er hier als Dozent angefangen hat.

Off: Es geht weiter nach Columbus nach Ohio. Während Walters Vater im deutschen Rundfunk Propaganda machte, war der Großvater Präsident der Synode der lutherischen Kirche. Was für eine Beziehung hatte der Vater damals zu seinem Sohn Edward? Das weiß auch Barbara nicht. Vielleicht gibt es in seiner letzten Pfarrstelle noch Zeitzeugen, die sich erinnern. Farmer Johns Sohn Joseph Andrew ist Ingenieur. Seiner Frau zuliebe tritt er zum evangelischen Glauben über. Sein zweiter Sohn bringt es in Columbus zum bedeutenden Pfarrer.

Off: Walters Großvater ist der Gründungspfarrer der Holy Trinity Church. Bill Lingo, ein altes Gemeindemitglied erinnert sich gut. Vor fast 70 Jahren wurde er von Joseph konfirmiert.

B. Lingo:
Ihr Großvater kam zu uns nach Hause und hat uns mit seinem Wagen abgeholt. Er hatte einen alten 1935er Lasalle mit Rücksitz und vier Türen. Er hat mich abgeholt und meine Schwester Ruth. Er war ein guter Pastor und ein guter Prediger. Wir hatten großen Respekt vor ihm.

Off:
Über das Verhältnis des Pfarrers zu seinem Sohn Edward kann Walter nichts in Erfahrung bringen. Er hat sich mehr erhofft.

Walter Sittler

Walter Sittler

Walter: Ja, hier muss es gewesen sein. Hier hat das Haus meines Großvaters gestanden, ungefähr hier, das ist die Nr. 77, das ist jetzt die Nr. 91 und das war die Hausnummer 85. Und das muss ein sehr großes Haus gewesen sein, damit auch die vielen Kinder und Angeheirateten der Kinder kommen konnten und hier sein konnten. Leider hab ich selber keine Erinnerungen daran, ich war zu klein.

Walter: Es ist ganz schön zu erleben, wie die das gemacht haben. Dass sie mit nichts losgefahren sind in die USA und die nächste Generation also der Joseph, der in Amerika geboren ist, hatte schon eine Farm, seine Kinder sind schon Professoren, Priester, Unternehmer geworden. Also es ging sehr schnell.
Was ich wusste war, dass sie auch in Amerika viel umgezogen sind. Also diese Heimatlosigkeit, die ich selber verspüre wird jetzt in gewisser Weise bestätigt, weil es in der Familie liegt.
Auf der anderen Seite ist es so, dass ich durch das Kennenlernen der verschiedenen Stellen, wo die gewohnt haben, wo die waren, auch wo sie begraben sind, jetzt so was wie ein kleines Kaleidoskop habe. Das wird immer vollständiger dadurch und das ist dann meine Heimat. Diese Art, das man vorwärts geht und an sich glaubt, die hab ich vielleicht nicht ganz so stark wie die, aber ein Stück davon hab ich auch noch.

Walter Sittler

Walter Sittler

Off: Inzwischen liegt Walters Uhr samt Gutachten wieder auf seinem Schreibtisch in Stuttgart.

Walter: (liest vor) "Sehr geehrter Herr Sittler. Bei Ihrer Uhr handelt es sich um das Model E101B, das für die englische Royal Air Force im Jahr 1949 gefertigt wurde." Das ist jetzt komisch, denn 1949 war Daddy in den USA und Verbindung zur Royal Air Force kann es nur gegeben haben über die Verwandten meiner Mutter. (zu seiner Mutter) Ich weiß von Daddys Seite jetzt eine ganze Menge, aber kaum was von der Overweg Seite. Ich weiß nur, dass dein Vater, ein christlicher Kaufmann war.

M. Sittler: Mein Vater wurde 1876 geboren und mein Vater ist in England zur Schule gegangen und war dann als junger Mensch, glaube ich, eine Zeitlang in Belgien als kaufmännischer Lehrling und ist dann nach Indien gegangen.


Off: Charles Overweg ist Reis-Händler in Rangun in Indien. Dort verkehrt er fast ausschließlich mit Europäern. Auch seine Frau Lilly holt er sich aus Deutschland.


M. Sittler: Da war dann ein wunderbares Haus mit vielen Angestellten, immer unglaublich richtig kolonial, kann ich dir sagen.

Walter: War er Deutscher oder Engländer eigentlich?

M. Sittler:
Er ist als Engländer geboren, hatte aber deutsche Eltern. Es gab überhaupt immer starke Verbindung der Familie Overweg mit England. Da gibt es zum Beispiel die Familie Deneke, das war eine Schwester meines Großvaters, die hat einen deutschen Bankier in London geheiratet und die hatten ein sehr kultiviertes Haus, sehr schön.

Walter: Du warst da auch ein paar Mal.

M. Sittler: Ich war in Oxford als junges Mädchen und dann habe ich immer die alten Tanten besucht, die meinen Vater sehr liebten.

M. Sittler

Off: Charles Vater, Karl Gottfried Overweg, geht um 1870 nach England, wie seine Schwester Klara, verheiratete Deneke. Zusammen mit ihren beiden Töchtern Helena und Margaret wohnt sie später in Oxford. Walter reist nach Oxford. Über die weltoffenen Vorfahren der Mutter, seinen Urgroßvater Karl Gottfried und dessen Schwester Klara will er mehr erfahren. Wer waren sie? Er trifft seine Verwandte Maria Fox. Sie hat Klaras Töchter Marga und Lena noch persönlich kennen gelernt.


Walter & Maria Sittler


Walter und Maria begrüßen sich


Walter: Maria, sag mal, was weißt du über meinen Großvater?

M. Fox: Vielleicht kam es wegen dem Spekulieren, Karl Gottfried starb jedenfalls ziemlich früh. Und dann hat sich seine Schwester Klara sehr um seine Familie gekümmert.

Walter: Um die vielen Kinder…

M. Fox: Um die vielen Kinder. Und der älteste von den sieben Kindern war, glaube ich, dein Großvater.

Walter: Ja, genau, das war Charlie, der in Rangun war.

M. Fox: Charlie. Ich glaube, das hatte noch sein Vater veranlasst, dass der nach Rangun kam, um da irgendein Geschäft zu machen.


Walter: Und was verbindet Klara hier jetzt mit dem College genau?

M. Fox: Klara hat sich sehr um dieses College Lady Margaret Hall gekümmert. Und Lady Margaret Hall war eines der wenigen und ersten Colleges wo Frauen angenommen wurden.

Off: Nach dem Vorbild ihrer Mutter unterstützen die Deneke Schwestern das Frauen-College. Lena als Dozentin, Marga als Musikerin. Sie hat bei Robert Schumanns Tochter Klavierspielen gelernt. Mit ihren Pianokonzerten sammelt Marga viel Geld für die Ausstattung des Colleges. Die Schwestern haben einen großen Freundeskreis und verkehren sogar mit Albert Schweitzer und Nobelpreisträger Einstein.

Walter Sittler

M.Fox: Das ist das Haus Gangfield und da haben Lena und Marga gewohnt bis an ihr Lebensende. Da stand früher ein ganz riesiger Konzertflügel.

Walter: Und was hier dann stattgefunden?

M.Fox: Furchtbar viele Konzerte, Einstein spielte manchmal die Viola. Dann gibt es in der Libary noch Papiere von den beiden, die kannst du alle dort nachsehen.

Walter: Da gehe ich jetzt hin.

M. Fox: Gut, dann wünsche ich dir viel Spaß

Walter: Ich danke dir sehr.


Walter Sittler


Off: Steht in den Memoiren von Marga und Lena auch etwas über seinen Großvater? Warum ging Charlie ausgerechnet nach Indien? Das Foto zeigt seinen Großvater in jungen Jahren mit seinen Cousinen vor dem Haus der Denekes. Seiner Tante hat Charlie viel zu verdanken. Lena schreibt:

Walter (liest): "Als der Bruder meiner Mutter als Bankrotteur starb und seine Frau in einem Heim für geistig Kranke war, wurden diese sieben jungen Leute der Verantwortung meiner Eltern übergeben. Charlie verhalf man zu einer aussichtsreichen Arbeit in Rangun."

Off: Walters Mutter ist in England geboren als Tochter des Reishändlers Charles, der in Indien war und später wieder nach Deutschland ging. Sein Vater Karl Gottfried lebt als Kaufmann in England. Er ist der Sohn des Rechtsanwalts Karl Overweg, der Mitte des 19. Jahrhunderts ein angesehener Politiker ist. In Letmathe im Sauerland steht noch das Haus des Ururgroßvaters. Was hat die Overwegs von hier aus in die Fremde getrieben?


Walter: Er hier ist August Overweg, das ist der Bruder meines Urgroßvaters und die beiden waren Kinder von Karl Overweg, der in der Familie Karl der Große genannt wird.
Off: Im Haus Lethmathe trifft sich Walter mit seinem Onkel Jürgen, dem Bruder der Mutter, der sich bei den Overwegs um die Ahnenforschung kümmert. Karl Overweg ist 1848 Mitglied der Deutschen Nationalversammlung und gehört zu den Männern, die die erste demokratische Verfassung ausarbeiten. In der Familie will Karl allein entscheiden. Tochter Klara wird beinahe verstoßen, als sie sich seinen Heiratsplänen widersetzt.

J. Overweg: Ich lese jetzt also mal wörtlich vor: "Die Gewohnheit seinen Willen durchgesetzt zu sehen, behauptete sich beim Vater durch die sich immer wiederholenden Erfahrungen, dass sein Verstand weiter reichte als der aller Köpfe seines verwandtschaftlichen Kreises." Er war ein richtiger Patriarch seinerzeit. Patriarch im positiven Sinne.

Statue Karl Sittler

Walter: Hat er dann das Leben von jedem nicht sehr stark bestimmen wollen?

J. Overweg: Absolut.

Walter: Konnten die das tun, was sie wollten? Nicht so richtig dann, oder?

J. Overweg: Der Vater hat, glaube ich, in der Berufsentscheidung und insbesondere in der Entscheidung für die Eheschließung ganz entschieden mitgewirkt und hat gemeint, er hätte da die größere Lebenserfahrung und er könnte twas besser als sie selbst entscheiden, welchen Weg sie gehen würden. Heute würde man sagen, dass er sie in der Beziehung beinah ein bisschen entmündigt hat.

Off: Der Vater drängt Karl Georg die Braut des verstorbenen Bruders zu heiraten. Anders als Schwester Klara wehrt er sich nicht, sondern fügt sich den Anordnungen des Patriarchen. Für die Urgroßeltern Agnes und Karl Georg wird es eine glücklose Ehe.


J. Overweg & Walter Sittler

Walter: Kann das nach England gehen von Karl auch ein Akt der Ablösung von diesem übermächtigen Vater gewesen sein?

J. Overweg: Dass er dabei sich auch ein bisschen löste aus dem Einflussbereich seines Vaters ist nicht auszuschließen.

Walter: Wann ging denn das mit der Politik los? Also ich weiß ja, er heißt bei uns "Karl der Große". Wann ging die politische Karriere wirklich los? Denn er war ja dann am Ende im Reichstag, 1871 - 73.

J. Overweg: Ja, 1871 - 73. Ich glaube schon die Tätigkeit 1848 in der Paulskirche war für ihn die endgültige Entscheidung zur Politik. Aber das er überhaupt dazu gewählt wurde, lässt nun auch darauf schließen, dass er da schon den Ruf hatte, der richtige Mann zu sein.

Walter: Weißt du, woher der Name "Karl der Große" kommt? War das mehr ein Witz in der Familie oder wie kam das eigentlich zustande?

J. Overweg: Weißt du, die vielen Karls muss man ja unterscheiden. "Karl, der Große" haben wir erfunden in der Familie, weil er für uns in der Tat das Symbol unserer Ahnen darstellt. Ihm folgen weitere Karls in jeder Generation. Zuletzt mein Sohn Kalle.


Off: Die Zeitreise in die Vergangenheit endet. Hat die Spurensuche Walter neue Einsichten gebracht?

Walter: Diese Suche hat für mich gebracht, dass die Familie die Sicherheit ist. So wie durch die Generationen die Familie der Quell der Kraft ist, um es mal ein bisschen pathetisch auszudrücken. Ich weiß, dass es bestimmte Eigenheiten gibt, dass wir keine besonders guten Geschäftsleute sind. In unserer Familie ist es eigentlich immer so: wir haben nicht so viel Angst vor dem Neuen, wir kommen schon durch. Es ist nicht so, dass alles vorbereitet sein muss, damit wir leben können. Wir können auch mit wenig. Der Spaß liegt darin, dass wir viele sind.

Walter Sittler

Familie Sittler

Walter: Unsere Vorfahren, also auf meiner Seite waren größtenteils Tagelöhner, also arm.

Sigrid: Das bist du heute noch (sie lachen)

Walter: Das bin ich heute noch...

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